Part 3 – Bukarest, eine Nachricht verändert alles

Unsere weitere Reise fuehrte uns langsam Richtung Hauptstadt. Das Bild der Landschaft änderte sich zunehmend. Neben wunderschönen alten Naturdenkmälern fuhren wir durch Städte, in denen man die Armut der Bevölkerung sofort sehen konnte. Leider mussten wir auf den Strassen wieder viele tote Streuner beklagen, so dass uns richtig übel wurde und unsere Gespräche verstummten. Die Fellnasen, die uns auf unserem Weg begegneten, waren hier extrem unterernährt und ihnen schien die Panik ins Gesicht geschrieben. Viele Hundis hatten so viel Angst, dass sie nicht einmal unser Futter anruehrten, sondern schnell das Weite suchten.

20130908_11303420130908_113424

Am Tag als wir in Bukarest ankamen, erschütterte uns ein Bild zutiefst. Wir fuhren gut gelaunt auf der Landstrasse, als wir plötzlich einen ca. 8-10 Monate alten schwarzen Junghund sahen. Dieser weinte jämmerlich neben seinem überfahrenen Geschwisterchen. Dieses Bild brannte sich in unseren Köpfen ein. Mit diesem wirklich sehr ungutem Gefühl fuhren wir nach Bukarest.

20130911_10374420130911_102922

In Bukarest suchten wir uns einen Campingplatz. Nach einer Dusche, wollten wir nur kurz ins Internet gehen um Nachrichten zu lesen. Anschließend stand der Besuch der Innenstadt Bukarests auf dem Plan.
Und plötzlich änderte sich alles und wir verstanden, was wir die letzten Tage sahen und damals als gehäufte unglückliche Unfälle werteten.
Da musste ich nun lesen, dass vor einigen Tagen ein kleiner Junge in Bukarest starb. Angeblich zerfleischt von Streunern. Und dafür mussten schon viele hunderte oder tausende Fellnasen auf brutalste Art und Weise ihr Leben lassen. Ich konnte lesen, dass die rumänische Regierung per Eilverfahren beschliessen wollte, das alle Strassenhunde getötet werden dürfen und bereits  jetzt  damit begonnen wurde. Meine Tränen flossen, ich verstand die Welt nicht mehr. Mir gingen all die Fellnasen durch den Kopf, die wir in den letzten Tagen kennenlernen durften. Viele waren sehr zutraulich, bettelten um Kuscheleinheiten, andere hatten Angst, ja auch Panik. Teilweise machtensie einen Bogen um uns und warteten im angemessenen Abstand bis wir uns entfernt hatten, um sich dann auf das Futter zu stürzen. Was wir aber nie, wirklich niemals gesehen haben, war Aggression. Oder gar ein aggressives Rudel voller Strassenhunde. Im Gegenteil, wie oft dachten wir: „Wahnsinn wie verträglich die Steuner untereinander, zu Mensch und anderen Tierarten sind. Da sollten sich viele deutsche Haushunde einmal ein Beispiel nehmen. Unsere eigene Fellnase eingeschlossen 😉 „.

20130911_11161320130911_104347

Die Gedanken wurden immer düsterer: „Leben noch alle Fellnasen, denen wir begegneten sind und wie wird ihre Zukunft aussehen?“ So richtig blutete mir das Herz bei den Gedanken an „unsere Seehunde“. Meine Freund konnte mich noch überzeugen abends mit in die Stadt zu fahren. In den Touristenvierteln konnte ich kaum einen Strassenhund sehen. Sofort musste ich darüber nachdenken, ob hier die Strassen schon von „den Steunern gesäubert wurden“. Mir liefen die Tränen. Kaum sahen wir einen Strassenhund, musste ich darüber nachdenken, was mit ihm demnächst geschieht. Eines war mir sofort klar, ich kann in diesem Land zum derzeitigen Zeitpunkt auf keinen Fall weiter entspannt Städte oder Landschaften besuchen. Mein Urlaub war ab dem Zeitpunkt, als ich diese schrecklichen Nachrichten lasen, beendet. Da sassen wir nun, mitten in Bukarest in einer Kneipe überall lief Fussball im Fernsehen, die Menschen lachten, hatten Spass und bei mir liefen ununterbrochen die Tränen. Nun musste ich meinem Freund erklären, dass wir unseren Urlaub abbrechen werden. Das wir sein Highlight der Reise, Siebenbürgen nicht besuchen werden. Nur die Vorstellung durch die Innenstädte zu laufen und bei jedem Streuner den ich sehe an seine Zukunft zu denken, da wurde mir schlecht. Nein, dass konnte ich nicht! Es wurde ein sehr sehr langer Abend mit vielen Diskussionen und Tränen. Aber er verstand meine Sichtweise und willigte in den Abbruch der Reise ein. Wir wollten noch einen Tag in Bukarest bleiben um uns wenigstens die Hauptstadt anzuschauen.

20130911_10501520130911_105649

Es wurde eine schlaflose Nacht. Zu all den Gedanken an die Streuner hier vor Ort, fokussierte sich mein Gehirn auf „meine Streuner“. Und so langsam reifte mein Plan sie zu retten.
Dieser Tag begann genauso wie der vorherige endete. Ich hatte meinem Freund diesen letzten Tag in Bukarest versprochen, aber meine Tränen liefen pausenlos, so dass ich ihm leider diesen Tag gänzlich versaute. Es kam zu einen heftigen Streit. Nach dem wir uns berappelt hatten, weihte ich ihn in meine Gedanken ein. Eigentlich war es schon ein fester Plan. Ich wollte die beiden Nasen retten, wie auch immer. Mir war bewusst, dass wir sie nicht behalten konnten. Aber ich wollte sie als Pflegehunde mit nach Deutschland nehmen und ihnen dann dort  so schnell wie möglich ein schönes Zuhause finden. Mein Freund war absolut nicht begeistert von meinem Plan. Besser gesagt er war gänzlich dagegen. Nur der Gedanke, wie Snoopy reagieren wuerde…

20130911_11490520130911_115248

Mein Freund war der Ansicht, dass den Hunden in den abgelegeneren Regionen, wo die Harmonie zwischen Mensch und Natur noch im Vordergrund steht, nichts passieren würde. Er schlug mir vor Kontakt zu rumänischen Tierschützern aufzunehmen. Mein Gehirn ratterte. Plötzlich erinnerte ich mich an eine Tiersendung im deutschen TV, in dem es um ein rumänisches Tierheim ging. Wir suchten das nächst gelegene Cafe mit einem Hotspot auf. Wir fanden relativ schnell den Namen vom Tierheim Casa Cainelui in Timisoara sowie die Telefonnummer von dem Betreiber Romulus Sales. Nach 3- 4maligem Klingeln ging Romulus ans Telefon. Ich beschrieb ihm unsere Situation und fragte nach wie es aus seinem Sichtwinkel aktuell um die Streuner hier in Rumänien sowie im Donaudelta im Speziellen bestellt ist. Er erklärte uns, dass die ersten Fangaktionen schon begonnen hätten und er erzählte uns, dass die Streuner auch in den abgelegenen Regionen nicht sicher sind. Vor allem im Donaudelta werde sehr hart durchgegriffen. Er bot uns seine weitere Hilfe an.

20130911_10305720130911_110940

Unsere hitzigen Diskussionen gingen weiter. In meinen Kopf ging es nur noch darum, ob die beiden Fellnasen noch vor Ort sind und wie um alles in der Welt wir sie in unser Auto und dann nach Deutschland bekommen sollten. Jetzt musste ich mir einen guten Plan überlegen um meinen Freund zu überzeugen.

Ich nahm Kontakt zu meiner Schwester auf und bat sie um Mithilfe.  Sie bot uns ihre volle Unterstützung von Deutschland aus an. Mit diesem Plan und meinen nicht enden wollenden Tränen konnte ich meinen Freund endlich zu der Rettungsaktion überzeugen.

Es folgte eine zweite Nacht ohne eine Minute Schlaf ….

20130911_10583220130911_105954

Advertisements

2 Kommentare zu „Part 3 – Bukarest, eine Nachricht verändert alles“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: