Part 5 – Der Beginn einer grossen Reise

Heute stand ein Mammutprogramm fuer uns bereit. Unser Tagesziel bestand darin, dass die beiden Fellnasen uns soweit vertrauen wuerden damit wir ihnen Leinen anlegen koennen. Anschliessend wollten wir sie ins Auto buxieren. Und zum guten Schluss mussten wir sie dazu bringen, bei uns im Zelt zu schlafen. Also eine absolute Kleinigkeit 😉
Als wir am See ankamen, bestand das Rudel aus 6 Hunden mit der schwarzen Huendin als Alphatier. Sogleich beschlich mich mein schlechtes Gewissen. Wer sind wir, dass wir entscheiden, wer das Recht hat eine Chance auf ein Leben zu bekommen? Während wir die anderen in einer unsicheren – bedrohlichen Zukunft zurueck lassen wuerden? Meine duesteren Gedanken schob ich beiseite, wir mussten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren, die schwierig genug werden wuerde. Zwei Hunde, ein wuscheliger Ruede und eine ebenso wuschelige Huendin suchten gleich das Weite. Da gab es dann noch einen alten Schaeferhundrueden, der nicht von der Seite unserer Huendin weichen wollte. Vor uns hatte er allerdings sehr viel Respekt. Das Futter nahm er an, allerdings wollte er sich nicht beruehren lassen. Und dann Schiefzahn, ein suesser kleiner Pinscher(mix), der absolut menschenbezogen war. Er sprang wie selbstverstaendlich auf unseren Schoss, um sich graulen zu lassen. Er legte sich ins Auto auf den Vordersitz und hielt sein Nickerchen. Unsere Theorie war, dass er als Schosshuendchen gehalten wurde und irgendwann sein schiefes Gebiss ihm zum Verhaengnis wurde. Er war nicht mehr schick und wurde auf die Strasse befoerdert.
Unsere beiden Fellnasen hatten gluecklicherweise noch ihre Halsbaender um.

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Waehrend die Fellnasen fraßen, ueberlegten wir uns Namen fuer sie. Bei der Huendin fiel es uns leicht. Sie war schwarz wie die Nacht, also kam fuer uns nur der Name Leika in Betracht. Eine Hommage an die russische Huendin, die fuer die Raumfahrt ihr Leben lassen musste. Bei dem Rueden fiel es uns schwerer, wir diskutierten und diskutierten und kein Name gefiel uns. Bis dato hatten wir ihn den Maskenhund genannt, wegen seiner schoenen Gesichtszeichnung. Im Endeffekt einigten wir uns, dass sein Name etwas mit seiner Zeichnung zu tun haben sollte. Nach einigem hin und her Überlegen, einigten wir uns ihn Henry oder Sir Henry zu nennen, nach einem erfolgreichen deutschen Boxer, der den Maskenhund in seinem Nachnamen traegt. 😉

Unsere naechste Aufgabe bestand darin sie zu uns zu rufen und aus der Hand fressen zu lassen. Wir hatten uns extra 3 kg Leckerlis gekauft. Das klappte ganz gut, so gierig waren sie auf die Haeppchen. Auch Schiefzahn bekam den ein oder anderen Happen ab. So gewoehnten wir die beiden fruehzeitig an ihre Namen.
Der naechste Abschnitt bestand darin, sie an die Leine zu nehmen. Als erstes versuchten wir es bei Henry. Er baeumte sich auf wie ein Ziegenbock. Leika stuermte auf ihn zu und schaute uns aengstlich-bedrohlich an. Wir machten Henry wieder los und wussten, es wird ein schwieriges Unterfangen. Die drei trotteten davon, nur Schiefzahn blieb bei uns.
Nach 1-2 Stunden ungeduldigen Wartens kamen sie zurueck. Kaum hatten wir ihnen Futter hingestellt, fing es fuerchterlich an zu regnen. Schiefzahn suchte Schutz bei uns im Auto, die anderen drei liefen mal wieder davon.
Nun bekamen wir langsam ein Problem. Die Zeit lief zu davon. Wir hatten pitschnasse Hunde bzw. waren sie ja gerade gar nicht mehr da und anleinen liessen sie sich auch nicht. Dazu kam der Schaeferhundruede, der uns misstrauisch beaeugte und nicht wollte, dass wir Leika zu nahe kamen.

Ein neuer Plan musste her. Wir beschlossen straight zu sein. Hunde anleinen, ins Auto heben und in ein, fuer die Hunde neues Gebiet zu fahren.
Wir warteten erneut mindestens 1 Stunde bis der Regen aufhoerte und die Vierbeiner zu uns kamen. Nun musste alles schnell gehen. Wir leinten beide an, die sofort ihren Ziegentanz auffuehrten und hoben sie auf die Ruecksitzbank. Uns war ziemlich mulmig zumute, wir wussten ja nicht wie sie reagieren wuerden, wenn wir sie so bedraengten. Gluecklichweise knurrten sie nicht. Man sah ihnen aber die Angst ins Gesicht geschrieben an. Es tat mir sehr weh, sie aus ihrem gewohnten Umfeld zu reissen und ihnen so viel Angst zu bereiten. Sie konnten ja nicht ahnen, was fuer eine Bedrohung in ihrer geliebten Heimat auf sie zurollte. Der Schaeferhund stuermte auf uns zu, er wollte unbedingt Leika retten. Und Schiefzahn, er wollte unbedingt ins Auto und mitkommen. Als wir losfuhren, liefen beide Rueden hinter uns her. Meine Traenen rollten erneut wegen Schiefzahn. Schlechtes Gewissen machte sich in mir breit, welches bis heute anhaelt. Aber damals in jener Situation hatte ich viele, viele Stunden gebraucht um meinen Freund zu ueberzeugen, die beiden als Pflegehundis mit nach Deutschland zu nehmen. Zu einem dritten Hund haette ich ihn nicht ueberzeugen koennen. Vor allem, da wir mit dem Auto unterwegs waren und in einem Zelt schlafen mussten. Wir waren so auf die beiden Fellnasen fixiert. Als wir allerdings das Casa kennenlernten, wurde mein schlechtes Gewissen extrem gestaerkt. Wir haetten Schiefzahn im Casa abgeben koennen. So suess und lieb wie er war, haette er bestimmt schnell ein schoenes Zuhause gefunden. Auch heute noch aergere ich mich extrem darueber, dass wir ihn nicht mitgenommen haben. Schiefzahn, ich hoffe instaendig, dass dich jemand mitgenommen und dir ein schoenes Leben ermoeglicht hat.

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Wir fuhren 15 km an einen anderen See, den wir vorher ausgekundschaftet hatten. Ich sass waehrend der Fahrt zwischen den beiden auf der Ruecksitzbank. Henry hat Angst, legte sich allerdings hin und machte sogar die Augen zu. Ganz anders bei Leika, sie stand unruhig auf der Ruecksitzbank mit grossen aufgerissenen Augen, hechelte und wuergte. Wenig spaeter zitterte sie am ganzen Koerper, es bildete sich Schaum vor ihrem Maul und der Speichel floss in Stroemen. Sie war absolut panisch und liess sich nicht beruhigen. Ich hoffte instaendig, dass sich ihre Panik legen wuerde. Wir hatten ja nur eine Strecke von 2000 km vor uns.

Am See angekommen, fuehrten beide wieder ihren Bocksprung auf. Wir gaben ihnen ganz viel Leine. Ich hatte ja in der Zwischenzeit 8 Meter Leinen geknuepft. Wir versuchten alles, dass kein Zug auf die Leine kam. Also bestimmten die beiden wo der Weg lang ging. Allerdings bewegten sie sich nicht wirklich. Am Ende versuchten wir sie mit Leckerlis auf eine schoene Wiese am See zu locken, wo wir die naechsten Stunden mit ihnen verbringen wollten. Das war allerdings nicht so einfach, da sie die Leckerlis ploetzlich nicht mehr wollten. Da lagen wir nun mit den beiden am See, allerdings sahen die Fellnasen zutiefst ungluecklich aus. Waehrend wir mit ihnen kuschelten, planten wir das weitere Vorgehen. Ich schickte meiner Schwester Bilder von den Beiden. Sie wollte das Medium Facebook nutzen und eine Familie fuer die Fellnasen finden. Es war uns wichtig, dass sie zusammen bleiben wuerden, da sie hier so ein tolles Rudel bildeten. Ich selbst plante eine Facebookseite unter dem Namen „Leikadonaudelta“ zu erstellen, um ueber diese Seite zum einen ein Heim zu finden und zum anderen auf die Situation in Rumaenien aufmerksam zu machen. Wir versuchten immer wieder mit den beiden kurze Strecken an der Leine zu laufen. Es wurde nicht wirklich besser.

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Als es Abend wurde, fuhren wir zurueck zu unserem Zeltplatz. Das Einladen der Hundis war diesmal viel schwieriger als beim ersten Mal. Sie straeubten sich massiv dagegen. Leika wurde im Auto sofort wieder panisch. Wir hatten uns die Sozialisierungsphase nicht einfach vorgestellt, aber nun merkten wir, dass es noch viel schwieriger werden wuerde. In der Naehe des Campingplatzes beschlossen wir mit den beiden Fellnasen noch einmal Gassi zu gehen. Wir suchten uns ein Feld. Mit Rufen und Locken gelang es uns dann doch noch mit den beiden ein wenig an der langen Leine zu gehen. Sobald sie allerdings Zug verspuerten, baeumten sie sich auf. In diesen Situation machte ich mir Sorgen, was passieren wuerde, sollten sie uns ausbuechsen. In einer fuer sie neuen Umgebung wuerde es bestimmt fuer sie sehr gefaehrlich werden.

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Auf dem Zeltplatz erwarteten uns schon die Besitzer. Sie waren neugierig, wie die zwei Nasen aussahen. Nachdem sie sie bewundert hatten, wuenschten sie uns viel Glueck bei unserer Reise.
Ich rief erneut Romulus Sale an und fragte, ob sein Angebot, uns zu unterstuetzen noch stand. Er bejahte es. Allerding meinte er, dass wir bis spaetestens Freitag in Timisoara sein muessten, denn sonst hat der Tierarzt nicht geoeffnet. Das waren nur noch 3 Tage fuer 900 km. Und nachdem, wieviel Panik die Leika beim Autofahren hatte, wuerden wir nur langsam in kleineren Schritten vorwaerts kommen.

Es wurde dunkel. Nun kam eine der schwersten Aufgaben auf uns zu. Beide Hunde ins Zelt locken und hoffen, dass sie in einem geschlossenen Raum nicht panisch werden wuerden. Wir legten saemtliche kuscheligen Sachen ins Zelt, um fuer uns alle ein grosses Bett zu bauen. Zu unserem Glueck fing es an zu regnen. Wir lockten sie mit vielen Wurststueckchen und dem Regenschutz ins Zelt. Ueberraschenderweise kamen sie zu uns ins Zelt und machten es sich nach 30 Minuten gemuetlich. Ueber Nacht banden wir uns die Leinen um die Beine. Es wurde eine unerwartet entspannte Nacht. Das ging wirklich einfach, so sollte es aber nicht bleiben ….

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